Gunda Hagmüller

musik

Mit acht Jahren erhielt ich meinen ersten Violinunterricht. Musiziert wurde im Hause Hagmüller schon immer (Vater Geiger, Mutter Sängerin), auch Musik abseits des Mainstreams: Neben Bach oder Monteverdi waren auch H.I.F Biber, Valentin Rathgeber, Johann Rosenmüller und andere zu Unrecht wenig bekannte Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts in meiner Kindheit bereits präsent. Mein nächster Schritt führte mich an das Institut für Musikwissenschaft (Studium mit Auszeichung abgeschlossen) und zu Susanne Scholz und Dario Luisi: Ihre Art des Spielens in sogenannter »freier« oder »chin-off« Haltung zog mich sofort in ihren Bann, und so wagte ich mich auf die Reise in eine andere Welt mit völlig neuer Spieltechnik gemäß den Quellen der damaligen Zeit.

Eine wichtige Erfahrung mit Renaissance-Instrumenten durfte ich im Rahmen der »Musica Freybergensis« machen: Hier wurden in einem einmaligen Projekt sämtliche Musikinstrumente von 1594 aus den luftigen Höhen der Begräbniskapelle im Freiberger Dom im Zuge einer Restaurierung abgenommen, genauestens vermessen und originalgetreu nachgebaut. Die Ergebnisse waren sowohl klanglich als auch spieltechnisch verblüffend und prägen noch heute meinen Zugang nicht nur zur Renaissance-, sondern auch zu früh- und hochbarocker Musik.

Auf Basis dieser neuen Erkenntnisse haben mein Mann Florian Wieninger und ich das Instrumentarium unseres Ensembles dolce risonanza entsprechend adaptiert: Reine Darmbesaitung und Steckfroschbögen aus einheimischen Hölzern sind für uns seitdem selbstverständlicher Bestandteil beim Spielen von Literatur der Renaissance bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Eine Geige nach dem Vorbild von Andrea und Girolamo Amati um 1600 mit kurzem Hals (gebaut von Hagen Schiffler), eine Alt- und eine Tenorviola nach Amati, eine rekonstruierte Bassbratsche und - als jüngstes Familienmitglied - eine Kleingeige (Martin Rainer) folgten, sodass wir nun ein komplettes Instrumentalconsort zur Verfügung haben, das den obertonreichen und »lieblichen Klang« – der in den Quellen so oft beschrieben wird – wunderbar unterstützt.

Intensives Quellenstudium, möglichst originalgetreues Instrumentarium sowie historische Spieltechniken sind mir ein großes Anliegen, um den Klangidealen der Zeit gerecht werden zu können. Die Haltung der Instrumente variiert dabei dem Repertoire entsprechend von »auf der Brust« über »unter dem Schlüsselbein« bis zu »unter dem Kinn«.


Hörbeispiele siehe downloads
Aktuelle Termine siehe dolce risonanza/termine


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